Zahnersatz auf Implantat

Unter Suprakonstruktionen versteht man den eigentlichen Zahnersatz, der auf den Zahnwurzelersatz, das Implantat, aufgesetzt wird.

Zahnimplantate und festsitzender Zahnersatz

Hierbei werden auf den (meist abschraubbaren) Pfeilern der Implantate Einzelkronen oder Brückenpfeiler zur Schließung einer Zahnlücke durch eine Brücke festgeschraubt oder einzementiert.

Indikationen:

  1. Einzelzahnersatz oder kleine Schaltlücke (1–2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen Zahnreihe)
  2. Große Schaltlücke (mehr als 2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen Zahnreihe)
  3. Freiendsituation (verkürzte Zahnreihe) (festsitzender Zahnersatz nur bedingt möglich)

Einzelzahnersatz oder Schließen einer kleinen Zahnlücke

Hauptartikel: Zahnverlust

Gründe für einen Zahnverlust können Karies, Parodontitis, Allgemeinerkrankungen oder ein Unfall sein.

Bei der Nichtanlage von Zähnen muss eine intensive Abstimmung mit einem Kieferorthopäden erfolgen.

Beim Einzelzahnersatz oder Schließen einer kleinen Schaltlücke müssen gegenüber der konventionellen Versorgung mittels einer Brücke die Nachbarzähne nicht beschliffen werden. Eine Krone kann direkt auf das Implantat gesetzt werden. Das Zahnfleisch legt sich bei einer günstigen Ausgangssituation harmonisch an die Krone an und nichts deutet mehr auf den Zahnverlust hin. In ungünstigeren Fällen muss mittels eines parodontalchirurgischen Eingriffs ein Weichgewebsmanagement durchgeführt werden, um einen ästhetisch zufriedenstellenden Übergang vom Zahn zum Gingivalsaum zu erreichen, was vor allem im sichtbaren Bereich von Bedeutung ist.

Probleme beim Einzelzahnersatz können sich ergeben, wenn die Zahnlücke nicht hinreichend groß ist, was bei einem zu geringen Interdentalabstand der Fall ist. Bis ins Jahr 2003 bemühte man sich möglichst lückenfüllende Implantatdurchmesser einzusetzen, um ein ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Nachdem dadurch Misserfolge zu verzeichnen waren, wurde dieses Verfahren von der Erkenntnis abgelöst, dass ein ausreichend großer Mindestabstand von etwas 1,5 bis 2 mm zu den benachbarten natürlichen Wurzeln einzuhalten ist.

Große Schaltlücken

Von großen Schaltlücken spricht man, wenn bis zu vier Zähnen in einem Sextanten fehlen und die Lücke jeweils von einem Zahn begrenzt ist.

Um eine solche Lücke mit festsitzendem Zahnersatz zu schließen, bestehen (soweit eine „normale“ Brücke nicht mehr möglich ist) folgende Möglichkeiten:

  • Je zu ersetzendem Zahn wird ein Implantat eingesetzt und jeweils mit einer Krone versehen (sehr aufwändig und kostenintensiv).
  • Es werden mindestens zwei Implantate als Brückenpfeiler eingesetzt, bei sehr großen Lücken auch mehr als zwei. Auf diesen Implantaten wird dann eine Brücke befestigt (implantatgetragene Brücke).
  • Implantate und natürliche Zähne dienen gemeinsam als Brückenpfeiler (Hybrid-Brücke). Das ist nur in Ausnahmefällen zu empfehlen, weil ein Implantat keine Bewegung zulässt, natürliche Zähne innerhalb gewisser Toleranzgrenzen aber beweglich sind (siehe Zahnhalteapparat).

Freiendsituation

Eine Freiendsituation liegt vor, wenn im distalen Bereich kein natürlicher Brückenpfeiler mehr vorhanden ist, der eine Brücke tragen könnte. Durch entsprechend platzierte Implantate ist in diesen Fällen festsitzender Zahnersatz (Brücke) möglich.

Herausnehmbarer Zahnersatz

Implantatpfeiler können ebenso der Verankerung herausnehmbarer Teilprothesen dienen, die mittels Doppelkronen, Stegen, Geschieben, druckknopfähnlichen Kugelköpfchen oder Magneten an den Implantaten befestigt werden können und damit zum sogenannten Kombinierten Zahnersatz werden.

Indikationen:

  1. Verankerung kombinierten Zahnersatzes
  2. Verankerung von Deck- oder Cover-Denture-Prothesen (Hybridprothesen) bei zahnlosem Kiefer

Stark reduzierte Bezahnung

Von einer starken Reduzierung der Bezahnung in einem Kiefer spricht man, wenn etwa nur noch 5–6 eigene Zähne vorhanden sind. Die Beurteilung, wann eine Bezahnung als stark reduziert einzustufen ist, ist von der Verteilung der Restbezahnung abhängig, ob nur Frontzähne vorhanden sind oder ob es sich um eine einseitige oder beidseitige Restbezahnung handelt.

In so einem Gebiss dienen Implantate dazu, die Anzahl der Pfeiler zu vermehren, um eine bessere Abstützung und einen sichereren Sitz einer Prothese oder herausnehmbaren Brücke zu gewährleisten. Eine Befestigung mittels Teleskopkronen ist in diesen Fällen eine mögliche Lösung.

Totalersatz – Zahnloser Kiefer

Manche Prothesenträger klagen über einen schlechten Sitz ihrer Prothese oder schmerzhafte Druckstellen. Haftmittel oder mechanische Hilfen lösen diese Probleme oft nicht zufriedenstellend. Implantate können in diesen Fällen das Mittel der Wahl sein. Der Tragekomfort einer Prothese kann so verbessert werden.

Die Befestigung von Totalprothesen an Implantaten wird häufiger im zahnlosen Unterkiefer, als im zahnlosen Oberkiefer durchgeführt, weil Unterkieferprothesen auch häufiger Probleme bereiten. Dies liegt an der geringen Saugwirkung und der kleineren Auflagefläche einer Unterkieferprothese. Im Unterkiefer können zwei Implantate genügen, wobei die Kraftverteilung auf vier Implantate von Vorteil ist. Im Oberkiefer sollten aufgrund der weicheren Knochenstruktur mindestens vier Implantate eingesetzt werden.[22]

Die Implantate können über Stegverbindung (eventuell mit Friktionshilfen) miteinander verbunden werden. Das dient sowohl der Stabilisierung der Implantate als auch der besseren Prothesenverankerung. Bei einer guten Primärstabilität ist in bestimmten Fällen eine Sofortbelastung möglich.

Sind etwa 6 bis 8 Implantate vorhanden, kann eine Totalprothese allein auf diesen abgestützt werden. Eine Belastung der Kieferkämme entfällt dann, so dass kein Knochenabbau zu befürchten ist. Bei einer so hohen Anzahl von Implantaten ist jedoch statt dessen meist auch eine festsitzende Zahnersatzversorgung möglich.

Eine Studie aus Kanada hat aufgezeigt, dass auch nur ein einziges Implantat in einem zahnlosen Kiefer eine deutliche Verbesserung des Tragekomforts einer Totalprothese bringen kann, wenn aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr Implantate möglich sind.[23]

(© wikipedia)

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